Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „Hab & Gut“

  • Verlag: Winning Moves
  • Autor: Carlo A. Rossi
  • Spieleranzahl: 3 - 5 Spieler
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 45 Minuten
  • Jahrgang: 2008
Hab & Gut (Winning Moves)

Schaut man sich das Spielmaterial in der Box von „Hab & Gut“ an, sieht man an dem Spielplan sofort: das muss eine Art Börsenspiel sein… und so ist es dann auch. Auf dem länglichen Spielplan werden die aktuellen Aktienkurse (Kohle, Getreide, Kaffee, Kautschuk, Tee, Salz) angegeben. Während der Runden kaufen oder verkaufen die Spieler Aktien, spenden einen Teil davon und versuchen, bis zum Ende des Spiels möglichst viel Knete zu sammeln.

Folgendes Material unterstützt dieses Vorhaben:

– Spielplan
– 6 Kurssteine (in den Warenfarben)
– 5 Spendentafeln
– 54 Kurskarten
– 60 Aktienkarten
– Spielgeld in diversen Stückelungen
– Startspieler-Zylinder
– 5 Kartenhalter aus Holz
– Spielanleitung

Der Spielplan mit den Kurssteinen (anfangs stehen die auf Wert 40) wird in die Mitte gelegt. Es werden so viele Kartenhalter wie Spieler teilnehmen auf den Tisch gestellt… und zwar immer zwischen zwei Spieler, so dass jeder Spieler nachher jeweils 2 Kartenhalter einsehen kann (links und rechts von sich). Die Aktien werden sortiert neben dem Spielplan bereitgelegt. Die 54 Kurskarten werden gemischt. Jeder Spieler erhält verdeckt 8 Karten und steckt diese dann in den jeweils linken der einsehbaren Kartenhalter. Diese Kurskarten verändern im Spielverlauf die Aktienkurse. Auch das Spielgeld wird bereitgelegt. Jeder Spieler erhält 300 Geldeinheiten als Startkapital. Außerdem erhält jeder Spieler eine Spendentafel. Der jüngste Spieler ist Startspieler; dann geht’s los:

Das Spiel verläuft in 2 Abschnitten mit jeweils 4 Runden, die jeweils 2 Durchgänge beinhalten. Im ersten Durchgang jeder Runde können die Spieler reihum mit ihrem Geld Aktien kaufen oder verkaufen. Die aktuellen Aktienkurse sind auf dem Spielplan ablesbar. Man kann allerdings nur kaufen ODER verkaufen… kaufen UND verkaufen gleichzeitig geht in einer Runde nicht. Im zweiten Abschnitt werden die Aktienkurse verändert. Reihum nehmen die Spieler jeweils eine Karte vom linken Kartenhalter und eine Karte vom rechten Kartenhalter und bewegen die jeweiligen Kurssteine um den angegebenen Wert. Einer der Werte wird allerdings halbiert. Anschließend geht es in die nächste Runde mit weiteren 2 Durchgängen usw… nach 4 Runden endet der erste Abschnitt. Weiter geht es mit dem zweiten Abschnitt… bis dann alle 8 Runden gespielt sind.

Pro Runde darf jeder Spieler zusätzlich zum Kaufen oder Verkaufen von Aktien eine Aktie spenden. Dazu wird die gespendete Aktienkarte auf die Spendentafel des Spielers gelegt. Maximal 4 Aktien können so pro Abschnitt gespendet werden. Doch warum sollte man nun die wertvollen Aktien einfach nur spenden?.. ganz einfach: wer am Ende des Spiels am wenigsten Geld gespendet hat, scheidet komplett aus dem Spiel aus… ohne weitere Berücksichtigung… hart aber gerecht :))) .. nach jedem Abschnitt werden die gespendeten Aktien in Geld umgewandlet. Das Geld wird auch auf der Spendentafel platziert. Der Spieler kann dieses Geld nicht für Kaufaktionen nutzen. Möchte man also zum Schluss nicht komplett leer ausgehen, muss man stets das Spendenaufkommen der Mitspieler im Auge haben, um nicht als Geizkragen dazustehen.

Wer nach den 8 Runden am meisten Geld zusammenraffen konnte, gewinnt natürlich das Spiel.

Logischerweise kommt es auf gutes Timing beim Kauf und Verkauf der Aktien an. Wenn die Kurse im Keller sind, heißt es zuschlagen, wenn die Kurse auf Höhenflug sind, heißt es verkaufen, doch natürlich ist es nicht ganz so einfach. Man hat ja bei 4 Spielern immer die Hälfte der bevorstehenden Kursänderungen im Blick. Somit kann man etwas abschätzen, welche Kurse in der nächsten Zeit eher ansteigen könnten und welche Kurse eher in den Abgrund stürzen. Geschickter Handel und geschickter Umgang mit den Spenden sind wichtig für den Sieg.

Manch einer könnte durch das Börsenthema abgeschreckt werden, doch ich kann Entwarnung geben: durch die begrenzten Aktionen pro Zug geht das Spiel flott reihum; lange Wartezeiten sind selten. Auch die Spieldauer mit ca. ner dreiviertel Stunde ist angenehm kurz. Das alles spricht gegen eine langweilige Börsenspielrunde, oder?

Mit „Hab & Gut“ ist es dem Autor durch Kombination bekannter Elemente gelungen, ein flottes und reizvolles Börsenspiel zu kreieren, welches trotz einfacher Regeln sehr viel Tiefgang bietet.

Was wieder mal zu gespaltenen Meinungen geführt hat, ist die Regel, dass der Spieler, der am wenigsten gespendet hat, komplett aus dem Spiel ausscheidet. Die betroffenen Spieler hatten teilweise das Gefühl, komplett umsonst gespielt zu haben. Es ist definitiv eine harte Regel, doch nach wie vor finde ich eine solche Regel persönlich sehr interessant. Würde man das Spendenelement komplett aus dem Spiel lassen, wirkt „Hab & Gut“ viel langweiliger und verliert einiges an Reiz… deshalb: freundet Euch mit dieser Regel an 🙂 … ich weiß schon, spielt man z.B. mit Kids kann diese harte Regel doppelt schwierig sein 😉

Fazit: schönes Börsenspiel mit zweckmäßigem Material.

(c)2009 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Winning Moves für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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