Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „First Class“

  • Verlag: Hans im Glück
  • Autor: Helmut Ohley
  • Spieleranzahl: 2 - 4 Spieler
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten pro Spieler
  • Jahrgang: 2016
First Class (Hans im Glück)

Heute schauen wir uns „First Class: Unterwegs im Orient Express“ an. Auf die Spiele vom „Hans im Glück“-Verlag freue ich mich immer besonders. „First Class“ ist vom Autor Helmut Ohley, der u.a. für sein wirklich tolles „Russian Railroads“ bekannt ist.

Was findet man in der Box? 94 Waggonkarten, 16 Postwaggonkarten, 72 Basiskarten, 21 Spielendekarten, 12 Schaffner, 4 Lokomotiven, 24 Holzwürfel, 48 Münzen, Startspielerfigur und diverse Plättchen. Daneben gibt es das Regelheft mit 16 Seiten sowie eine Zusatzregel mit 8 Seiten für die bereits enthaltenen Erweiterungsmodule. Das aufgezählte Material ist das Basismaterial. Die Regel empfiehlt die erste Partie mit den Modulen A und B, was die Module „Aufträge“ und „Berühmtheiten und Postkarten“ wären. So haben wir es dann auch einige Male gespielt, bevor wir die anderen Module ausprobiert haben.

Bei „First Class“ erinnern mit im wesentlichen drei Sachen an das große Vorbild, eben „Russian Railroads“: der Zug, der sich über eine Strecke bewegt und so nach und nach Boni freischaltet; die Schaffner, welche die Waggonkarten erst nach und nach in die Wertung bringen; das Thema selbst natürlich. 🙂 Man spielt insgesamt 6 Spielrunden. Dazu gibt es drei Kartenstapel, die jeweils 2x gespielt werden. Vor jeder Runde wird eine Auslage aus 18 Karten vom aktuellen Stapel gebildet (3 Reihen). Der aktive Spieler wählt aus der Auslage eine dieser Aktionskarten und führt die Aktion aus. So bekommt man neue Waggons, wertet vorhandene Waggons auf, bewegt die Schaffner, bewegt den Zug, bekommt Münzen… und mehr.

Sobald aus einer Reihe Karten genommen wurden, die gleich der Anzahl der teilnehmenden Spieler sind, wird die restliche Reihe abgeräumt. Immer nach zwei Runden, wenn also ein Kartenstapel durch ist, gibt es eine kleine Wertung. Die Spieler erhalten die Boni, die sie mit ihrer Lok freigeschaltet haben und die Punkte der zu wertenden Waggons. Dazu müssen diese Karten vom Schaffner bereits erreicht oder überschritten worden sein. Hat ein Zug 9 Waggons, wird direkt das oberste Lok-Plättchen angelegt. Die Münzen, die man während der Partie erhalten kann, ermöglichen es, zusätzliche Aktionen durchzuführen. So kann man z.B. weitere 0er-Waggons bauen, oder den Zug bewegen und mehr. Nicht zu vernachlässigen, da man während jeder Runde ja nur insgesamt 3 Karten nimmt. Nur mit zusätzlichen Aktionen nehmen die beiden Züge dann Form an.

Das Spiel kommt – wie schon erwähnt – mit verschiedenen Modulen daher. Diese können beliebig mit den Standardkarten kombiniert werden. Das Regelwerk ist nicht superkurz. Man muss sich schon einlesen, bevor man die erste Partie starten kann. Es gibt einige Kleinigkeiten zu beachten. Ist man dann aber mal drin, verläuft das Spiel sehr smooth und trotzdem spannend. Die Interaktion (zumindest mit den Modulen A und B) beschränkt sich halt auf die Kartenauswahl. Mit geschickter Kartenauswahl kann man die Mitspieler ganz schön ärgern. Manch einem wird das aber wieder zu wenig Interaktion sein.

Nun, was sind das jetzt für Module, mit denen man das Spiel etwas variieren kann?

Modul A „Die Aufträge“… dieses Modul bringt genau das was man erwartet, man erfüllt Aufträge und erhält dafür unterschiedliche Boni.

Modul B „Berühmtheiten und Postkarten“… hier kann man Zusatzboni während der Wertung erhalten. Mit berühmten Personen, die man befördert oder mit Postkarten von bedeutenden Orten der Strecke.

Modul C „Wer ist der Mörder?“… ein sehr interessantes Modul. Hier werden bei Spielbeginn „Wer ist der Mörder“-Karten verteilt. Einer der Spieler ist der Mörder, die anderen sind unschuldig. Der Spielablauf ist erst einmal „normal“, doch während des Spiels versuchen die Spieler herauszufinden, wer nun der Mörder ist. Man darf sich als Unschuldiger nicht zu arg verdächtig machen, denn bei Spielende scheidet der Spieler aus, der die meisten Fingerabdrücke auf den Beweisen hinterlassen hat. Ja, korrekt, SCHEIDET AUS. Diesem Spieler ist es nicht mehr möglich, das Spiel zu gewinnen, egal mit welcher Punktzahl. Wenn das letztendlich der Spieler war, der auch der Mörder war, dann hat die Gerechtigkeit gesiegt, wurde der Mörder aber nicht erwischt, dann erhält der Mörder sogar noch 20 Punkte extra. Dieses Modul bringt definitiv einen ganz besonderen Kniff ins Spiel. „First Class“ ist auch ohne dieses Modul ein sehr gutes Spiel, aber hin und wieder sollte man zu Modul C greifen.

Modul D „Passagiere und Gepäck“… das ist wieder ein Modul, bei dem der Name schon klar macht, um was es hier geht. Es steigen auch Passagiere in den Zug ein und das natürlich mit Gepäck. Man transportiert also Passagiere und deren Gepäck um Boni zu erhalten.

Modul E „Weichen und Mechaniker“… die Züge werden ja während der Partie immer in Kartenreihen auf dem Tisch ausgelegt. Mit diesem Modul gewinnen nun die Bereiche zwischen den Zügen an Bedeutung, denn die dort abgelegten Weichen oder Mechaniker wirken sich auf beide Züge aus. Mehr möchte ich dazu gar nicht schreiben, das soll man selbst entdecken.

Die Leichtigkeit des Spielablaufs – obwohl das Spiel sehr viel Tiefgang und Komplexität bietet – ist toll. Die Spieldauer ist überschaubar.  Außer mit dem Modul C könnte es manchen Spieler zu wenig Interaktion mit den Mitspielern sein, das muss man halt mögen. Ich kann mir gut vorstellen, dass „First Class“ auf der Nominierungsliste für den Kritikerpreis „Kennerspiel des Jahres 2017“ landet. Es ist noch nicht so schwergewichtig, dass es aus diesem Grund aus der Zielgruppe raus fällt und es ist für den roten Pöppel (das „normale“ Spiel des Jahres) etwas zu komplex. Also, der graue Pöppel würde dem Spiel sehr gut zu Gesicht stehen. Unseren Runden bereitete „First Class“ definitiv viel Spaß, wobei wir dann oft wieder mit den Standardmodulen A und B gespielt haben. Zwar sind die anderen Module auch interessant, allen voran natürlich C, doch man benötigt sie nicht zwingend. Es ist auch so schon ein sehr gutes Spiel. Die angegebenen 20 Minuten pro Spieler kann man meist einhalten, was für ein Kennerspiel auch ganz angenehm ist. Um aber wieder zum Vergleich zum tollen „Russian Railroads“ zurückzukommen. Der große Bruder gefällt mir etwas besser.

Optisch haut mich das Spiel nicht wirklich vom Hocker. Ja, die Symbole sind gut nachvollziehbar, die Grafik insgesamt ist jedoch eher zweckmäßig… ausgesprochen hübsch finde ich sie aber nicht wirklich. Praktisch finde ich das enthaltene Plastik-Tiefziehteil. Man kann die Aktionskarten und die verschiedenen Module schön verstauen. Das Material passt gut rein, es wird nichts durcheinandergewirbelt. Sehr gut. Ich finde auch eine leere Box und ausreichend Plastiktütchen ganz ok, doch ein gut durchdachtes Tiefziehteil finde ich immer super.

Fazit: tolles Zug-Kartenspiel, mit Potenzial für den Preis „Kennerspiel des Jahres“… wir werden sehen. 🙂

Fazit: Zombie-Familienspiel (!) in toller Aufmachung.

(c)2017 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Hans im Glück für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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