Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „Die Staufer“

  • Verlag: Hans im Glück
  • Autor: Andreas Steding
  • Spieleranzahl: 2 - 5 Spieler
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 20 Minuten pro Spieler
  • Jahrgang: 2014
Die Staufer (Hans im Glück)

In der Box von „Die Staufer“ findet man das Material in der von „Hans im Glück“ gewohnt guten Qualität. Es besteht hauptsächlich aus Stanzkarton-Teilen, aber es gibt auch Figuren (der König, Gesandte, Adelige, Familienmitglieder aus Holz) sowie Karten in Form von Privilegien- und Auftragskarten. Das Spielfeld wird aus 6 trapezförmigen Teilen zusammengebaut. In der Mitte liegt noch das 6-seitige Aktionstableau. Das Nachschub-Tableau wird daneben bereit gelegt. Unter dieses Tableau und auch rings um das Spielfeld herum (immer unter die Amtssitze der verschiedenen Regionen) werden noch Truhen platziert. Die Familienmitglieder werden nach den Vorgaben auf dem Aktionstableau platziert. Die mittlere Leiste ist die Reihenfolge-Leiste. In genau dieser Reihenfolge werden die Züge nachher ausgeführt, also nicht stur im Uhrzeigersinn. Schaut man sich die sechs Regionen an, dann findet man Amtssitze für das Einsetzen der verschiedenen Figuren (Adelige oder Gesandte). Jeder Spieler startet mit einem Adeligen und mit 4 Gesandten. Es werden 5 Runden gespielt, in jeder Runde kommt jeder Spieler 3 x an die Reihe. 

Der aktive Spieler hat immer zwei grundlegende Möglichkeiten: „Nachschub“ oder „Bewegen/Einsetzen“. Mit der Nachschubaktion kann der Spieler von den Nachschubfeldern eines auswählen. Er erhält dann i.d.R. Figuren aus dem Vorrat und je nachdem auch noch eine (oder auch mehrere) Schatztruhe, die unter dem gewählten Feld liegt. Diese Truhen bringen unterschiedliche Vorteile, teilweise als Soforteffekt, oder später zu einem gewählten Zeitpunkt, oder auch Punkte bei Spielende. Mit der anderen Aktion, also Bewegen/Einsetzen, kann man eine Figur auf einen Amtssitz einer Region platzieren. Erfolgt dies auf der Region mit dem König, dann entfallen Bewegungskosten. Alle weiter entfernten Regionen muss man erst erreichen. Dazu muss für jedes Feld eine Figur auf das Bezahl-Feld der jeweiligen Region gelegt werden, also reihum. Das Einsetzen selbst kostet dann nochmals Figuren, je nach Amtssitz. Der Preis ist neben dem Einsetzfeld angegeben. Setzt man z.B. eine Figur auf einen 5er Amtssitz, dann kostet das neben der eingesetzten Figur noch 4 weitere Figuren, die dann auch im Uhrzeigersinn auf die Bezahl-Felder verteilt werden müssen. Als Bonus erhält der Spieler noch die Truhe(n) unter diesem Amtssitz. So wählen die Spieler also nacheinander ihre Aktionen, bis alle jeweils dreimal an der Reihe waren. Anschließend werden 1 oder 2 Regionen gewertet. Die Runden-Plättchen geben vor, welche Regionen gewertet werden Die angegebene Region wird auf jeden Fall gewertet. Dann wird noch ggfs. eine weitere Region gewertet, z.B. die Region mit dem König, oder die Region mit den wenigsten Truhen. Anschließend werden in den gewerteten Regionen die Figuren von den Amtssitzen entfernt, die Truhen werden dort wieder aufgefüllt und der König bewegt sich 1 – 3 Felder im Uhrzeigersinn weiter. Die Figuren in der Spielplanmitte werden auf die Spielerreihenfolgeleiste verschoben, dann startet die nächste Runde.

Bei der Wertung einer Region ist die Mehrheit bei den besetzten Amtssitzen relevant. Abhängig davon, bekommen die Spieler Punkte gutgeschrieben. Außerdem gibt es in den verschiedenen Regionen auch Wertungsboni. Figuren auf Bezahl-Feldern werden wieder freigegeben, wenn sich die Königsfigur auf bzw. über dieses Feld bewegt. Ach ja, vor dem Spiel erhält jeder Spieler noch drei Auftragskarten (jeweils eine von jeder Sorte). Diese Karten geben Bedingungen vor, für die man bei Spielende bei Erfüllung noch satt Punkte absahnen kann. Diese Aufträge sollte man nicht vernachlässigen, zumindest nicht vollständig. Allerdings muss ich sagen, dass die Sache mit den Aufträgen nicht ganz rund ist. Fakt ist ja, dass die Figuren nach der Wertung wieder abgeräumt werden, außer in der letzten Runde. D.h., es macht keinen Sinn , sich bereits sehr früh um die Aufträge zu kümmern, denn bei Spielende, stehen die Figuren eben nicht mehr dort. Genau das fühlte sich in unseren Partien (und es ging nicht nur mir so, sondern meinen Mitspielern auch) etwas komisch an.

Das „Staufer“-König-Thema ist sehr aufgesetzt; klammert man dieses Thema aus, dann bleibt ein ziemlich nüchternes und eigentlich sehr abstraktes Optimierungsspiel übrig. Nichtsdestotrotz funktioniert „Die Staufer“ recht gut. Ich finde gut, dass der Zug des aktiven Spielers quasi nur aus zwei grundlegenden Optionen besteht. Das beschleunigt das Spiel und verringert so die Downtime. Wie es aber bei Optimierungsspielen so ist: sitzen Grübler mit am Tisch, dann wird man mit den angegebenen 20 Minuten pro Spieler leider nicht hin kommen. Dann kann eine Partie nämlich schon recht zäh werden. Spielen die Teilnehmer aber flott ihre Züge (ich selbst bin ja eher ein Bauch -Spieler), dann macht „Die Staufer“ wirklich Spaß. Besonders interessant finde ich die Regeln zum Einsetzen der Figuren, also das Bezahlen der Kosten der Bewegung und auch für das Einsetzen, in dem man weitere Figuren auf die Bezahl-Felder verteilt. Auch die Tatsache, dass diese Figuren dann durch den reisenden König wieder freigegeben werden, finde ich interessant.

Etwas abschreckend könnte die Spielanleitung wirken. Immerhin hat der Hauptteil bereits 16 Seiten. Dazu gibt es noch ein Beiblatt mit 4 Seiten, in dem die verschiedenen Truhen, Auftragskarten, Rundenboni, etc. erklärt werden. 20 Seiten für ein solches Spiel ist schon happig. Allerdings ist das Regelwerk viel einfacher, als man es vom Umfang her erwarten würde. Nach wenigen Zügen ist klar, um was es geht und die Optimierung kann beginnen. Obwohl ich eigentlich kein großer Fan von Mehrheiten-Spielen bin, also von Spielen, bei denen Regionen nach der Mehrheit der eingesetzten Figuren gewertet werden, fand ich die Partien sehr spannend und auch interessant. Wegen dem oben erwähnten komischen Gefühl bei den Auftragskarten vergebe ich in der Hauptwertung eine gute „4“, ansonsten wäre es eine noch bessere „5“ geworden.

Fazit: aufgesetztes Thema… trotzdem schönes Optimierungsspiel…

(c)2015 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Hans im Glück für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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