Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „Die letzten Tage von Atlantis“

  • Verlag: Galakta/Heidelberger
  • Autor: Marcin Wernicki
  • Spieleranzahl: 3 - 5 Spieler
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: ca. 90 - 120 Minuten
  • Jahrgang: 2014
Die letzten Tage von Atlantis (Heidelberger)

Atlantis ist ja schon in vielen Filmen und auch vielen Spielen untergegangen, doch optisch so schön wie hier, habe ich das schon lange nicht mehr gesehen. Das Material ist wirklich hübsch. Der runde Spielplan zeigt so viele kleine Details, dass man sich einfach nur die Grafik anschauen kann und daran schon Spaß hat, zumindest geht es mir so. Die enthaltenen Spielkarten kommen in kleinen Kartonboxen daher, so, dass man sie nach Gebrauch wieder sorgfältig verstauen kann, auch das gefällt mir. Dazu gibt es noch verschiedene Plättchen (z.B. die verschiedenen Senatoren oder die Schiffe, welche die Flüchtlinge in Sicherheit bringen sollen) und einen Beutel mit Holzmaterial (Spieler-Marker, Untergangsmarker und 100 Holzwürfen – nämlich 20 Stück pro Spielerfarbe, die als Einflussmarker UND als Flüchtlinge verwendet werden).

Ziel ist es, erwartungsgemäß, möglichst viele Siegpunkte zu sammeln. Siegpunkte bekommt man für die Rettung von Flüchtlingen, aber auch am Ende des Spiels für vorhandene Spezialkarten.  Der Spielplan wird in die Tischmitte gelegt. Die Spielbretterweiterung wird an den runden Spielplan angelegt und bietet Platz für die verschiedenen Karten. Die Untergangsmarker werden auf den entsprechenden Bereich gestellt. 5 Schiffsplättchen werden auf die Hafenfelder von Atlantis gelegt. Neutrale Flüchtlinge werden gemäß einer Ereigniskarte platziert und die restlichen neutralen Flüchtlinge kommen auf das Flüchtlingslager. Die Senatorenplättchen werden im Senat platziert. Jeder Spieler erhält die Holzwürfel in seiner Farbe, 2 Spieler-Marker und einen Sichtschirm. Außerdem bietet das Spiel jedem Spieler eine Übersichtskarte mit den Funktionen der Senatoren und eine Übersicht, für was man wie viele Siegpunkte erhält. Jeder Spieler erhält noch 7 Politikkarten und 2 Spezialkarten. Nach noch etwas Schnickschnack in der Vorbereitung geht es dann los mit der Partie.

Was mir beim ersten Lesen der Regeln bereits etwas aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass der Spielablauf sehr von Auktionen geprägt ist. Ich muss gestehen, dass ich Auktionen in Spielen (auch wenn viele es sehr mögen) so gar nicht leider kann. Allerdings gibt es viele Spiele, die ich mag, obwohl auch Auktionselemente enthalten sind, aber hier ist es nicht nur EIN Element, hier ist es das zentrale und sich ständig wiederholende Element und das ist so gar nicht mein Fall. Ok, damit hat natürlich „Die letzten Tage von Atlantis“ erst mal schlechte Karten, aber ich versuche meine Abneigung gegen Auktionen im Zaum zu halten. 🙂

Also, das Spiel verläuft über mehrere Runden (maximal 6 Runden, bis der dritte Untergangsmarker vom Spielplan entfernt wurde). Jede dieser Runden durchläuft 4 Phasen, die ich hier kurz (wirklich kurz) beschreiben möchte:

1. Einflussphase: die Spieler nutzen ihre Einflussmarker und bieten geheim eine beliebige Anzahl von Einflussmarkern, in dem sie die geschlossene Hand mit den Einflussmarkern drin in die Tischmitte strecken. Gleichzeitig wird die Faust geöffnet. Die Einflussmarker kommen in den Senat, was dann die Spielerreihenfolge (die Senatsreihenfolge) bestimmt. Die so genutzten Würfel stehen bis zum Ende der Spielrunde nicht weiter zur Verfügung. Das ist wichtig, da man die Würfel – wie eingangs erwähnt – entweder als Flüchtlinge oder hier als Einflussmarker nutzen kann.

2. Senatsphase: hier wählen die Spieler in der Senatsreihenfolge einen Senator, der dem Spieler eine zusätzliche Aktion bietet. Jeder Spieler wählt ein Plättchen und legt es in seinen Spielbereich. Dann legt er seinen Spieler-Marker auf das passende Senatsfeld. Jeder nicht gewählte Senator wird im Spielverlauf mit Bonus-Siegpunkte-Marker aufgepimpt, so dass es nächstes Mal reizvoller ist, dieses Plättchen zu wählen.

3. Auktionsphase: jeder Spieler wählt von seinen 7 Politikkarten 5 Stück aus und legt diese als Reihe verdeckt vor sich ab. Sobald alle Politikkarten gelegt wurden, werden diese aufgedeckt. Nun bieten die Spieler wieder mit Einflussmarkern um das Recht, die erste Karte ausspielen zu können. So wird nacheinander für alle 5 Karten geboten. Die aktuelle Ereigniskarte gibt dabei an, wie jeweils geboten werden muss: geheim oder offen.  Ganz interessant ist die Sache, dass der Gewinner der Auktion entscheiden darf, ob er seine Karte oder die Karte seines linken Nachbars ausspielen möchte. Die verschiedenen Politikkarten bieten unterschiedliche Aktionen:  z.B. Flüchtlinge auf Schiffe im Hafen setzen, Schiffe bewegen, Spezialkarten ziehen, Schiff in den Hafen zurück setzen, und mehr.

4. Untergangsphase: in der letzten Phase einer Runde wird zuerst die Flüchtlingsmehrheit überprüft. Der Spieler mit den meisten Flüchtlingen auf dem Neuen Land erhält 2 Siegpunkte. Anschließend wird noch die Senatsmehrheit überprüft. Wer hier die meisten Einflussmarker hat, der erhält ebenso 2 Siegpunkte. Danach werden die 5 Schiffe vorwärts bewegt. Anschließend wird eine neue Ereigniskarte aufgedeckt (unterschiedliche Effekte, ggfs. eine Untergangs-Ereigniskarte). Nun wird noch das Spielbrett aufgeräumt, die Senatorplättchen werden zurück gelegt, die Einflussmarker und die Flüchtlinge auf dem Neuen Land werden wieder eingesammelt und hinter die Sichtschirme gelegt (nicht die Würfel auf den Schiffen). Zum Schluss zieht noch jeder Spieler seine Handkarten auf 7 Stück nach, dann geht es mit der nächsten Runde weiter.

Man sieht also schon an diesem kurzen Überblick, dass das Spiel sehr von Auktionen geprägt ist und deshalb ist klar, dass das Spiel nicht zu meinen Favoriten zählen wird. Aber Fans von diesem Auktionselement werden mit „…Atlantis“ definitiv Spaß haben, denn der Ablauf, die Aktionsmöglichkeiten, die Spezialkarten, die Fähigkeiten der Senatoren, das alles ist nicht uninteressant. Die Optik des Materials leistet auch ihren positiven Beitrag zum Gesamtbild. Während der Testpartien hatte ich allerdings hin und wieder das Gefühl, dass die Balance bei den Spezialkarten etwas mangelhaft ist. Meinen Mitspielern ging es aber nur teilweise auch so.

Die Spieldauer wird auf der Box mit 60 – 90 Minuten angegeben, doch auch in Mindestbesetzung haben wir es nicht unter 90 Minuten geschafft. Die Tendenz geht schon klar in Richtung 2 Stunden. Keine Ahnung, wie die Angabe von 60 – 90 Minuten zustande gekommen ist. Also, ich alleine hätte beim Spielspaß maximal eine 3 gegeben, doch die Meinungen meiner Mitspieler wollte ich nicht unbeachtet lassen, so dass „Die letzten Tage von Atlantis“ in der Hauptwertung noch eine brauchbare „4“ erhält. In der Kategorie „Idee“ erhält das Spiel von mir bloß eine „3“, da das Thema doch recht angestaubt ist, weil schon so oft umgesetzt… Flucht vor dem Untergang (nicht speziell Atlantis, sondern allgemein).

Fazit: sehr hübsches Spielbrett (nicht nur weil es rund ist *g*), spannender Spielablauf, wenn man Auktionen mag. Mag man Auktionen nicht, dann: „Finger weg!“

(c)2014 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Heidelberger für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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