Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „Descent: die Reise ins Dunkel (2. Edition)“

  • Verlag: FFG/Heidelberger
  • Autor: Adam Sadler, Corey Konieczka, Daniel Lovat Clark
  • Spieleranzahl: 2 - 5 Spieler
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 120 (pro Quest) Minuten
  • Jahrgang: 2012
Descent: die Reise ins Dunkel (FFG)

Die Box mit der quadratischen Grundfläche ist kein Leichtgewicht. Sie verbirgt wirklich umfangreiches und auch sehr hübsches Material. Nicht zuletzt die Helden- und Monsterfiguren sind eine Augenweide. Natürlich machen die dann in angemaltem Zustand noch mehr her, aber dazu habe ich mich bisher noch nicht durchringen können, obwohl mir das Bemalen von Figuren bei „Mice and Mystics“ eigentlich recht gut gelungen ist (wenn ich mich da mal selbst loben darf *g*). Also, was findet man in der Box: 8 Helden, 31 Monster (teilweise echt große „Dinger“), 9 Spezialwürfel, 8 Heldenbögen, 1 Kampagnen-Block, 152 kleine Karten (Klassenkarten, Marktkarten für Akt I und II, Zustandskarten, Suchkarten, Reliktkarten), 84 große Karten (Overlordkarten, Monsterkarten, Hauptmannkarten, Reiseereigniskarten, Aktivierungskarten), ewig viele Pappteile (Spielplanfelder, Schadensmarker, Türen, und vieles mehr). Dazu gibt es zwei Regelhefte. Eines davon beinhaltet das eigentliche Regelwerk und umfasst 24 Seiten. Das andere Heft ist das Quest-Handbuch mit satten 44 Seiten. Dieses Handbuch beinhaltet die ganzen verschiedenen Abenteuer, die man bestreiten kann. Man kann ein Abenteuer einzeln bestreiten oder auch als Kampagne (das sind dann mehrere Quests hintereinander). Der Umfang des Regelwerks macht schon klar, dass hier ein schneller Einstieg nicht wirklich möglich ist. Ein umfangreiches Regelstudium im Vorfeld lässt sich hier nicht vermeiden, das ist klar. Ich finde es immer nervig, wenn man die Anleitung nur halbherzig überflogen hat und dann bei jeder Aktion nachblättern muss, wie das jetzt noch war. Die Optik des gesamten Material finde ich super. Das Fantasy-Flair kommt gut rüber. Ob nun die enthaltenen Plastikfiguren, oder auch die Grafik der enthaltenen Karten; all das ist wirklich gelungen und trägt sehr zum Abenteuer-Feeling bei. Für das Material also schon mal die Höchstwertung.

Das vorliegende Spiel ist ja die „2. Edition“. Ich muss sagen, dass ich die „erste Edition“ nie wirklich selbst gespielt habe, doch ein Mitspieler, der die erste Edition kennt, hat mir bestätigt, dass das Spiel an sich identisch ist, dass aber das Regelwerk an einigen Ecken etwas vereinfacht wurde. So war wohl das Kampfsystem in der ursprünglichen Version komplizierter. Mir selbst gefällt das System bei der vorliegenden Edition sehr gut… scheint also ein gesundes Abspecken gewesen zu sein.

Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Helden. Er erhält dazu den passenden Heldenbogen und passende Klassenkarten dazu. Außerdem bekommt der Spieler noch eine Aktivierungskarte und den passenden Heldenmarker. Einer der Spieler übernimmt die Rolle des bösen Overlords. Dieser Spieler legt den gemischten Overlord-Kartenstapel vor sich ab. Das Quest-Handbuch gibt vor, welche Monster in dem aktuellen Abenteuer vorkommen. Die passenden Monsterkarten legt der Overlord auch bereit. Alles andere wird auch bereit gelegt und das Abenteuer kann beginnen. Nun kämpfen sich die Helden also durch die Gänge, suchen nach wertvollen Gegenständen, bekämpfen die lästigen Monster (im Nahkampf oder via Fernkampf-Waffen), setzen ihre speziellen Fähigkeiten ein, helfen anderen Heldenfiguren wieder auf, öffnen und schließen Türen und versuchen so das Ziel des Quests zu erreichen. Auch diese Siegbedingungen sind im Quest -Handbuch vorgegeben. Der Overlord versucht natürlich, den Helden die Suppe zu versalzen. Er schickt den Helden die Monsterfiguren auf den Hals, die den Helden den Garaus machen sollen.

In der letzten Zeit habe ich ja auch noch andere Helden-Abenteuer gespielt. So hatte ich z.B. großen Spaß mit dem oben bereits erwähnten „Mice and Mystics“ (mittlerweile auch in deutscher Sprache erhältlich) oder auch mit dem Spiel „Super Fantasy“ von Red Glove. Beide genannten Spiele sind aber von der Komplexität her nicht mit „Descent: die Reise ins Dunkel“ vergleichbar. Das Regelwerk von „Descent“ ist deutlich komplexer als bei den anderen beiden Spielen. Es gibt viele Feinheiten, die man beachten muss.  Wie bei anderen Spielen dieser Art, werden bei den Kämpfen oder den Proben die Spezialwürfel verwendet, um z.B. die Stärke des Angriffs oder der Verteidigung zu ermitteln. Was ich etwas schade finde ist, dass man „Descent“ nicht als Solitär spielen kann. Man benötigt ja mindestens einen Gegner, der die Rolle des Overlords übernimmt. Spielt man zu zweit, dann übernimmt der Heldenspieler zwei verschiedene Heldencharaktere. „Mice and Mystics“ und auch „Super Fantasy“ bieten dagegen beide eine wirklich brauchbare Solo-Variante.

Lässt man sich auf das Fantasy-Abenteuer ein, dann macht „Descent: die Reise ins Dunkel“ wirklich großen Spaß, auch wenn man wegen des umfangreichen Regelwerks hin und wieder einen Blick in die Spielanleitung werfen muss; das lässt sich in den ersten Partien fast nicht vermeiden. Ich hab mich meist an einzelne Quests gehalten, um die Spieldauer überschaubar zu halten, doch auch die Möglichkeit, seine Helden durch eine ganze Kampagne zu begleiten, ist sehr reizvoll. Eine Kampagne kann dabei gut mal einen ganzen Tag dauern (und wenn ich sage „einen ganzen Tag“, dann meine ich das auch so: 24h). Das übersteigt dann doch deutlich meine spielerische Motivation, so dass ich eine solche Kampagne doch immer lieber in zerstückelter Form spielen würde.

Fazit: sehr hübsches, sehr umfangreiches und sehr spannendes Fantasy-Spiel, bei dem ich einzig eine Solitär-Variante vermisst habe.

 (c)2014 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

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