Rezensionen zu Karten- und Brettspielen

Rezension „Die Alchemisten“

  • Verlag: CGE/Heidelberger
  • Autor: Matus Kotry
  • Spieleranzahl: 2 - 4 Spieler
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: ca. 120 Minuten
  • Jahrgang: 2014
Die Alchemisten (CGE)

Die Box von „Die Alchemisten“ ist vollgepackt mit Material… und trotzdem fehlt ein essenzieller Bestandteil: ein Smartphone oder ein Tablet, auf dem die zugehörige App dann laufen kann. Die Anleitung umfasst satte 20 Seiten. Sie ist recht lustig geschrieben, doch die Fülle an Regeln macht den Einstieg nicht wirklich einfach. Es ist schon ein ganzes Stück „Arbeit“, bis wann in die Partie starten kann. Ist man dann erst einmal dran, dann kommt man Runde für Runde besser rein.

Jeder Spieler hat einen riesigen Sichtschirm, hinter dem sich die Ergebnispyramide versteckt. Außerdem liegt da die Schlussforderungstabelle, ein Blatt, auf dem jeder Spieler seine Erkenntnisse vermerken kann. Was man auf jeden Fall braucht, wenn man das Spiel in größerer Besetzung spielen möchte: einen großen Tisch… das ganze Material nimmt dann doch recht viel Platz ein. Bei uns war es mit mehr als zwei Spielern verdammt eng… ein größerer Tisch muss her. 🙂

Das Spiel verläuft über 6 Runden. Während jeder Runde platzieren die Spieler ihre Arbeiterwürfel auf dem Spielplan und wählen damit ihre Aktionen dieser Runde aus. So besorgen sich die Alchemisten Zutaten für die Zaubertränke, verkaufen Zutaten, verkaufen Tränke, testen ihre Tränke an Studenten oder im Selbstversuch, publizieren ihre Theorien und mehr. Jeder Zutat sind drei Elemente (rot, grün, blau) zugeordnet, mit Ladung „-“ oder „+“ in groß oder klein. Ziel ist es eben, die Beschaffenheit der Zutaten heraus zu finden. Durch das Kombinieren von jeweils zwei Zutaten entstehen unterschiedliche Tränke. Diese Erkenntnisse muss man dann in der Schlussforderungstabelle festhalten.

Deduktionsspiele (wie etwas das gute alte Cluedo) sind sonst nicht so meine Stärke, doch hier geht es ja um genau das und ich muss trotzdem sagen, es fühlt sich ganz gut an. Man versucht, nach und nach herauszufinden, welche Zutat nun welche Eigenschaften beinhaltet. Entsprechend veröffentlicht man dann seine Theorie dazu. Die Zuordnung der 8 verschiedenen Kombinationen zu den 8 Zutaten wird ja in jeder Partie neu festgelegt. Besitzt man kein Smartphone oder Tablet, übernimmt einer der Spieler die Funktion des Spielleiters… entsprechend kann er dann nicht mitspielen. Besser also die Nutzung der gratis herunterladbaren App. Nutzt man dann z.B. die Aktion „Test am Studenten“ stellt man zwei seiner Zutaten-Karten auf den Kupferkessel-Aufsatz (der auf dem Sichtschirm steckt). Dann nutzt man die App und scannt die beiden Karten. Problemlos erkennt die Software die ausliegenden Karten. Ein Druck auf den entsprechenden Button zeigt dann das Ergebnis der Mischung an. Was für ein Trank ist es? Heiltrank (+ rot), Schnelligkeitstrank (+ grün), Weisheitstrank (+ blau), Gift (- rot), Lähmungstrank (- grün), Wahnsinnstrank (- blau) oder nur ein  neutraler Trank. Die Nutzung der App ist kinderleicht und funktioniert tadellos. Ich bin überzeugt, dass Brettspiele auch weiterhin Brettspiele bleiben, doch ich finde es auch nicht schlimm, wenn manches Spiel auf solche elektronische Unterstützung setzt. Ich weiß, dass viele Leute solchen Entwicklungen skeptisch gegenüber stehen. Ich selbst sehe das nicht so eng, sicherlich bedingt durch mein Faible für klassische Video-/Computerspiele. 

Die Partien dauerten auch schon bei zwei Spielern über zwei Stunden. In Vollbesetzung nochmals deutlich mehr.  Das Spiel macht Spaß, speziell die Sache mit dem Mischen der Tränke. Wie eingangs schon erwähnt, bin ich kein großer Fan der Deduktionselemente, doch hier bei „Die Alchemisten“ fand ich die Partien recht spannend. Etwas anstrengend ist es dann aber, neue Spieler ins Spiel rein zu bekommen . Hat man schon einen gewissen Vorsprung an Partien tut man sich hier deutlich einfacher. Ok, das ist auch bei anderen Spielen so, doch hier bei „Die Alchemisten“ fiel mir das ganz besonders stark auf. Die App-Unterstützung funktioniert super; wer möchte schon die Rolle des Spielführers übernehmen, ohne am Spiel teilnehmen zu können?… das macht kein Spaß… also schnell die App installiert und los geht’s. Materialmäßig geizt das Spiel nicht… das Material ist toll, die Karten sind schön gestaltet. Etwas mangelhaft sind die Elemente zum Eindrücken in die Tafel. Die passen irgendwie nicht richtig. Deshalb gibt es beim Material auch einen Punkt Abzug. Insgesamt bekommt das Spiel in der Hauptwertung aber gute „5“ Punkte.

Fazit: sehr gelungenes Deduktionsspiel mit elektronischer Unterstützung… vielleicht etwas überfrachtet 🙂

(c)2016 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken CGE für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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