Rezension „Caylus“

  • Verlag: Ystari Games / Huch & Friends
  • Autor: William Attia
  • Spieleranzahl: 2 - 5 Spieler
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 90 - 120 Minuten
  • Jahrgang: 2005
Caylus (Ystari)

Vor ein paar Wochen habe ich das Spiel „Caylus Magna Carta“ getestet. Dabei handelte es sich ja quasi um den „Kartenableger“ von Caylus. Vermutlich wäre es besser gewesen, erst das eigentliche „Caylus“ zu beschreiben und danach den „Kartenableger“, doch nun ist es halt mal so 🙂 .. und da mich „Caylus Magna Carta“ schon sehr überzeugt hat, freute ich bzw. freuten wir uns sehr auf die Testrunden mit „Caylus“. Dann also mal los… die Box geöffnet und gleich mal über das umfangreiche Material gestaunt; „hier bekommt man noch was für’s Geld“.. war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geschossen ist 😉 .. insgesamt findet man in der Box:

– Spielplan
– Spielanleitung
– 1 Seneschall-Figur und 1 Vogt-Figur
– 30 Münzen
– 30 Arbeiter (Holzzylinder)
– rund 100 Häuschen (auch aus Holz)
– 35 Markierungsscheiben (schon wieder aus Holz *gg*) in den 5 Spielerfarben
– rund 140 Rohstoffe (Holzwürfelchen)
– 40 Gebäudeplättchen (nicht aus Holz, sondern Stanzkarton)

Wie auch beim Kartenspiel geht es darum, während des Spiels möglichst viele Ruhmespunkte zu sammeln. Auf dem Spielplan ist dazu ein Weg abgebildet, der bereits einige Gebäude aufweist, wobei die meisten Bauplätze noch frei sind und während des Spielverlaufs bebaut werden. Bei Kartenspiel wurde der Spielplan halt mittels ausliegender Spielkarten dargestellt… ansonsten ähnlich.

Die ganzen Zusammenhänge des Spielablaufs von allen Seiten zu beleuchten und hier zu beschreiben würde den Rahmen auf jeden Fall sprengen, doch ich werde versuchen, in zusammenfassender Weise einen ausreichenden Überblick über den Spielablauf zu geben 🙂

Die Spielvorbereitungen sind recht schnell erledigt. Der Spielplan muss ab in die Mitte 🙂 Die Gebäudeplättchen werden gemischt und bereitgelegt. Die neutralen Gebäudeplättchen werden zufällig auf den ersten 6 Feldern der Straße verteilt. Durch die zufällige Anordnung dieser neutralen Gebäudeplättchen sind die Spielvoraussetzungen vor jedem Spiel ein wenig anders… bringt also ein wenig Abwechslung mit in’s Spiel. Die Rohstoffwürfelchen und die Spielgeld-Münzen werden neben dem Plan bereitgelegt. Die Spieler erhalten die Markierungsscheiben in ihrer Farbe. Die beiden weißen Figuren (Seneschall und Vogt) starten auf dem letzten neutralen Gebäude… anschließend geht’s los.

Das Spiel läuft in jeweils 7 aufeinanderfolgenden Phasen ab, die sich bis zum Spielende ständig wiederholen. Hier ein Überblick über diese Phasen:

1. Phase:
Spieler bekommen ihr Einkommen . Hier gibt es ein Grundeinkommen von 2 Denar (eben die Währung im Spiel). Verschiedene Gebäude können später das Einkommen des Spielers erhöhen.

2. Phase:
Reihum setzen die Spieler Arbeiter ins Spiel ein… und zwar so lange bis alle Spieler gepasst haben. Der erste Spieler, der passt, erhält als Bonus einen Denar extra. Arbeiter können unterschiedlich eingesetzt werden; nämlich auf ein eigenes Gebäude, auf ein fremdes Gebäude, auf ein neutrales Gebäude, aufs Schloss oder auch auf eines der festen Gebäude (die schon auf dem Spielplan vorgedruckt sind). Das Einsetzen kostet anfangs einen Denar. Jeder Spieler, der in dieser Phase passt, erhöht den Preis für die restlichen Spieler aber um einen Denar. Bei 5 Spielern könnte das Einsetzen also auch bis zu 5 Denare kosten… Einsetzen auf ein eigenes Gebäude kostet trotzdem nur 1 Denar, bringt aber auch keine Prestige-Punkte.

3. Phase:
Aktivierung
der Spezialgebäude : Nacheinander werden die Spezialgebäude (die fest aufgedruckten Gebäude) gewertet bzw. aktiviert bzw. genutzt (wie man es nun nennen mag *ggg*). Jedes dieser Gebäude bringt dem Spieler einen gewissen Vorteil. So bekommt ein Spieler für seinen Arbeiter auf dem Kontor 3 Denare aus der Bank und nimmt dann den Arbeiter wieder zurück auf die Hand; oder ein Arbeiter auf der „Händlergilde“ erlaubt es dem Spieler, den Vogt entlang der Straße um 1 – 3 Felder zu bewegen (auch hier nimmt er den Arbeiter dann wieder zurück).

4. Phase:
Versetzen
des Vogtes : Hier kann nun die Vogt-Figur auf der Straße bewegt werden. Dies ist seeeeeeeeeeeeehr wichtig, denn der Vogt gibt in der nächsten Phase vor, welche Gebäude aktiviert werden und welche nicht. Jeder Spieler kann den Vogt einmal bewegen; die Reihenfolge gibt hier übrigens die Pass-Reihenfolge aus der 2. Phase vor… wer also zuletzt gepasst hat, der darf den Vogt als letztes bewegen.

5. Phase:
Aktivierung
der „normalen“ Gebäude , also der Gebäude ab der Brücke. Die Gebäude lösen unterschiedliche Aktionen aus. Ein Produktionsgebäude produziert Rohstoffe. Manche Gebäude bringen einem also weitere Denare oder man kann was zusätzliches bauen oder man bekommt Prestigepunkte falls ein anderer Spieler eines meiner Gebäude nutzt.

6. Phase:
Arbeiter
, die auf das Schloss gesetzt wurden, bauen nun am Schloss weiter. Auch hier kann man Prestigepunkte erlangen und vor allem die Gunst des Königs gewinnen, was später wiederum neue Vorteile mit sich bringt.

7. Phase:
Ende
einer Spielrunde : Jetzt wird der Seneschall der Straße entlang bewegt. Je nach Position des Vogtes kann dies um ein oder auch um zwei Felder geschehen. Bei Erreichung oder Überschreitung eines Abrechnungsfeldes löst der Seneschall dabei eine Wertung bzw. Abrechnung aus. Hier kann man nun Prestigepunkte bekommen oder die Gunst des Königs erhöhen. Nach Abrechnung der Türme (letzter Bauabschnitt) endet dann das Spiels, ansonsten geht’s mit der 1. Phase wieder weiter.

Vor dem Spielende bekommt noch jeder Spieler zusätzliche Prestigepunkte für übriges Gold, für übrige Rohstoffe oder auch für Denare. Der Spieler, der die meisten Prestigepunkte sammeln konnte, gewinnt „Caylus“ und alle freuen sich sicherlich auf die nächste Partie, denn dieses Spiel zieht die Spieler in seinen Bann.

Die 12-seitige Anleitung schreckt anfangs natürlich ein wenig ab und für Gelegenheitsspieler ist „Caylus“ deshalb sicherlich auch nicht soooooooooooo gut geeignet. Die Regeln sind schon recht umfangreich und die sieben Phasen muss man erst mal verinnerlichen, damit der Spielfluss die Bezeichnung „..fluss“ auch wirklich verdient hat, doch ist dies erst mal geschehen, dann ist das Spiel der absolute Hammer. Die ganzen vielen Spielelemente wirken nach spätestens der zweiten Runde so gut aufeinander abgestimmt, dass man gar nicht mehr verstehen kann, dass der Einstieg aufgrund der unfangreichen Regeln leicht „abschreckend“ war 🙂

Es sind so viele kleine Einzelheiten, die bei diesem Spiel die Begeisterung ausmachen. Beispielsweise die Tatsache, dass die Position des Vogtes darüber bestimmt, welche Gebäude aktiviert werden und welche nicht… dies bringt die Möglichkeit mit, die Mitspieler je nach Situation ein wenig zu ärgern ;)) … oder die Möglichkeit, Prestigepunkte zu bekommen, wenn die Gegner die eigenen Gebäude nutzen… einfach genial.

Ok… das erste Spiel ist schon recht anstrengend, da es hier erst mal darum geht, den ganzen Ablauf korrekt durchzuführen. Sicherlich kommt es vor, dass man während des ersten Spiels bemerkt, dass man Kleinigkeiten anfangs falsch gespielt hatte, doch wie schon erwähnt: spätestens nach der zweiten Partie läuft das Spiel wie von alleine (was nicht heißt, dass es langweilig ist). Hmmm… der Einstieg von Neuspielern fällt verständlicherweise auch nicht soooo leicht… auch hier dauert es wieder 1 – 2 Runden, bis der Neuling einigermaßen mithalten kann… er muss ja wieder erst den Überblick bekommen… dies fällt bei anderen, einfacheren Spielen sicher leichter, doch die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.

Aufgrund der hohen Spieldauer (nach ein paar Einspielrunden sollte sich diese so bei 1,5 bis 2 Stunden einpendeln) ist „Caylus“ nicht als Spiel für zwischendurch geeignet ;)) … das erste Spiel kann da gut mal bis zu 2,5 oder 3 Stunden dauern, bis man alle Unklarheiten beseitigt hat.

Nochmals kurz zur Spielanleitung: mit 12 Seiten sicherlich keine leichte Kost, doch die Regeln kommen trotzdem recht gut rüber. Die Spielanleitung können Sie übrigens als PDF-Datei auf der Seite des Verlages anschauen bzw. herunterladen. So können Sie sich vielleicht im Vorfeld schon ein Bild über den Umfang des Regelwerks  machen. – siehe „www.ystari.com“

Das Spiel holte sich übrigens den Sonderpreis zum Spiel des Jahres 2006 – “Komplexes Spiel”

Fazit: lassen Sie sich bitte nicht von dem umfangreichen Regelwerk abschrecken und trauen Sie sich „Caylus“ zudenn: haben Sie die ersten Hürden überwunden, entdecken Sie ein komplexes und vor allem absolut erstklassiges Strategiespiel, welches seines gleichen suche :))) … deshalb kann ich hier auch nur eine einzige Note vergeben… volle Punktezahl: die glorreiche „6“ :)))

(c)2007 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Huch & Friends für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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