Rezension “Mea Culpa”

Mea Culpa (Zoch)

In der quadratischen Box von “Mea Culpa” (= lateinisch für “Meine Schuld”) findet man einen großen Spielplan, 3 Dome aus Holz, 4 Charakterkarten, 3 Papststeine, 4 Bautrupps, Papstwürfel, schwarzes Warensäckchen, 35 Warenwürfel, 6 Ablasssteine, 24 Freudenhauskarten, Separee-Karte, 51 Ablassbriefe, 4 Arme Seelen, 4 Kerbhölzer, 4 Sichtschirme, 28 Sündensteine, 4 Schatullen, 65 Münzen und die Spielanleitung in zwei Sprachen (deutsch und englisch, jeweils 12 Seiten).

“Meine Schuld”, genau darum geht es bei dem Spiel. Die Spieler sündigen in unterschiedlicher Form, um Geld, Waren oder andere Vorteile zu erhalten, um damit später an die begehrten Ablassbriefe zu kommen, um dann die begangenen Sünden wieder tilgen zu können. Wirklich ein ausgefallenes Thema, oder? Jeder Spieler hat ein Kerbholz (mit 1 – 6 Kerben), eine Box für die Spenden, 25 Münzen als Startkapital und einen Sichtschirm. Außerdem hat man 7 Sündenmarker. Mittels Kerbholz und Münzen bieten die Spieler geheim auf die Möglichkeiten, sich als erstes eine Rolle auszuwählen. Es gibt den Papst, den Kaiser, den Händler und den kleinen Sünder. Jeder Charakter bringt unterschiedliche Vorteile, neben der Position in der Spielerreihenfolge. Außer dem Händler bringt jede Rolle ein kleines “Vorspiel”, was ausgeführt wird, bevor es zur eigentlichen Aktionsphase kommt… dem Kern des Spiels. Während dieser Aktionsphase wird in Spielreihenfolge (1=Papst, 2= Kaiser, 3=Händler, 4=kleine Sünder) gespielt. Jeder Spieler führt eine Aktion aus, nutzt ggfs. den Vorteil des Charakters. Mittels Erhöhung der Kerben auf dem Kerbholz, kann man sogar einen zusätzlichen Zug ausführen. So kann man auf dem Markt einkaufen oder auch was verkaufen, man kann ins Freudenhaus oder man kann eine Spende in eine der beiden Fächer der eigenen Spendenbox packen.

So geht es also reihum. Sobald ein Dom fertiggestellt wurde, werden die Spenden ausgewertet. Wer in den drei Kategorien jeweils am meisten gespendet hat, kann weitere Ablassbriefe einsacken. Nach dem zweiten Dom endet die Partie. Ziel ist es also, möglichst viele Ablassbriefe anzusammeln, möglichst komplette Farbsets, das bringt später 8 Punkte für 4 Ablassbriefe. Einzelne Ablassbriefe bringen nur jeweils einen Punkt. Während des Spiels sündigt man – wie schon gesagt – in unterschiedlichen Bereichen… und schreitet so immer mehr in Richtung Höllenfeuer. Erst bei Spielende, wenn die Ablassbriefe ausgewertet werden, marschiert man wieder in Richtung Himmel. Wer dabei dem Himmel am nächsten kommt oder ihn sogar erreicht, gewinnt das Spiel.

Was auf jeden Fall schon mal klar ist: das Thema ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Aufgrund des sündigen Themas, welches vielleicht dem einen oder anderen nicht gefallen wird (man sollte es nicht wirklich ernst nehmen), ist das Spiel ab 14 Jahren ausgeschrieben. Vom Spiel her kann man das sicherlich auch schon mit Kids unter 14 spielen… muss man halt selbst entscheiden. Das Spiel kommt mit tollem Material daher. Der Plan ist hübsch, das Kerbholz ist nett gemacht, die Spendenbox muss erst noch zusammengebaut werden (wie das Kerbholz auch, schon lange nicht mehr so viel gebastelt vor dem Spiel). Die Spendenbox sieht in etwa aus wie eine kleine Streichholzschachtel, hat innen aber 2 Fächer… für die beiden Dom-Wertungen.

Auch interessant ist der Bereich der Sündenpfuhle. Es gibt einen Bereich für “Habgier”, “kleine Sünden” und für “Wollust”. Je Situation muss man dort Sündenmarker der eigenen Farbe platzieren. Beispielsweise der Papst bewegt einen Papstmarker. Befinden sich dann alle 3 Marker auf einem Feld, müssen die Spieler mit Sündenmarker auf anderen Felder für ihre Sünden büßen. Der Spieler, der den Papstmarker versetzt hat, wird dabei verschont. Die anderen Spieler müssen für jeden Sündenmarker ein Feld in Richtung Hölle wandern. Man muss also einiges beachten. Sünden im Blick halten, Waren besorgen, um diese entweder gewinnbringend zu verkaufen oder doch lieber zu spenden, denn die Spenden sind sehr wichtig, wenn ein Dom fertiggestellt wird… dies ist nicht zu verachten. Besuche des Freudenhauses sind auch nicht uninteressant. Zum einen kommt man dort an die seltenen gelben Ablassbriefe, zum anderen gibt es auch in den anderen Räumen sehr interessante Aktionen, die in jeder Runde neu ausgelegt werden.

Der Spielablauf ist eingängig, das Spiel ist für ein Zoch-Spiel ausgesprochen komplex. In den ersten Partien dauerten die Partien etwas länger als die ausgeschriebene Zeit, doch mit jeder Partie lief es flotter und die kniffligen Entscheidungen, die man während der Spiels treffen muss, machen wirklich ein interessantes Spiel aus “Mea Culpa”

Fazit: gehobenes Familienspiel mit ausgefallenem Thema (was sicherlich nicht jedermanns Sache ist)… interessant.

(c)2017 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken dem Zoch Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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