Rezension „Die Wikinger Saga“

  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autor: Christian Fiore & Knut Happel
  • Spieleranzahl: 2 - 4 Spieler
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: ca. 60 - 90 Minuten
  • Jahrgang: 2020
Die Wikinger Saga (Schmidt Spiele)

„Wikinger“ geht doch immer, oder?… zumindest gibt es dieses Thema schon längere Zeit und es ist immer noch interessant und spannend. Die Optik der Box dagegen macht für meinen Geschmack nicht so viel Lust auf das Spiel. Ja, schaut man sich das Cover genauer an, erkennt man die Szene, die sich im Helm spiegelt, das ist ganz nett; auf den ersten Blick wirkt die Gestaltung aber eher langweilig. Das Material in der Box schaut aber schon ganz gut aus. Neben dem Spielplan gibt es verschiedene Karten, eine Schiebetafel Wikingerpfad, ein Langboot, Münzen, ein paar Marker sowie die Spielanleitung mit 12 Seiten. Das Kartenmaterial mit den verschiedenen Wikingern, die Abenteuerkarten, die grafische Gestaltung des Spielplans… all das ist hübsch. Die Box beinhaltet ein ordentliches Innenleben, so dass man das ganze Material schön verstauen kann.

Wie man es auch von anderen Deckbuildern her kennt, kann man die Karten schön in Sortierfächern unterbringen. Das erleichtert die Spielvorbereitung deutlich. Aus den verfügbaren Abenteuerkarten wird ein Gesamtabenteuer zusammengestellt. Standardmäßig werden die Abenteuerkarten vorgegeben, später kann man dann aber auch eine eigene Zusammenstellung umsetzen. Die Abenteuerkarten werden der Reihe nach bereitgelegt. Teilweise bringen diese Abenteuerkarten dann auch neue Wikingerkarten ins Spiel und auch zusätzliche spezielle Wegkarten.

Das Spiel verläuft über mehrere Runden, die eben durch die Abenteuerkarten dargestellt werden… im Prinzip läuft das immer so ab: vor der Runde haben die Spieler die Möglichkeit mit Goldmünzen neue Wikingerkarten aus der Auslage zu kaufen… auch Mehrere, diese werden dann aber immer um jeweils ein Gold teurer; die Spieler ziehen Handkarten. Es wird eine Wegkarte aufgedeckt und der Wikingerpfad wird um so viele Felder nach rechts geschoben. Da die Spielfiguren auf diesem Pfad stehen, werden diese mitgeschoben. Anschließend legen die Spieler verdeckt eine ihrer Handkarten aus und decken diese dann gleichzeitig auf. Der Wert auf der Karte gibt an, wie weit die Figur des Spielers gezogen werden muss. Manche Karten erlauben auch eine Auswahl, oder sogar einen Zug rückwärts. Die Wikingerkarten zeigen neben diesem Zahlenwert aber oft auch eine Sonderfunktion, die man dann nutzen kann (Dauereffekt, Einmaleffekt, etc.). Nun ziehen die Spieler eine Karte nach, es wird die nächste Wegkarte aufgedeckt, der Pfad wird erneut verschoben und weiter geht’s. Man versucht dabei, negative Wegmarken zu vermeiden bzw. positive Wegmarken zu erreichen. Erreicht man die Abenteuerkarte, bringen dort manche Felder Punkte, Münzen oder andere Boni, manche Felder bringen aber auch negative Sachen. Man sollte vermeiden, die Karte bzw. den Wikingerpfad zu überschreiten bzw. hinten zu verlassen, denn das bringt einen Malus.
Steigt man aus dem Abenteuer aus, stellt man seine Figur auf die Abenteuerkarte und wartet ab, bis die anderen Spieler auch durch sind. Sobald alle Spieler auf der Abenteuerkarte stehen, sucht sich jeder Spieler eine seiner gespielten Wikingerkarten aus und legt diese unter sein Walhallaschild. Ganz wichtig: die Karten, die sich so nach und nach unter diesem Schild ansammeln, hat man beim letzten entscheidenden Abenteuer zu Verfügung. Außerdem bringen diese Karten dann einen großen Teil der Siegpunkte (abhängig von den abgebildeten Helmen).

Nun wird alles für das nächste Abenteuer vorbereitet. Die alte Abenteuerkarte kommt weg. Der Wikingerpfad oder auch das Langboot wird vorbereitet, die Wegmarken werden wieder platziert. Es kommen ggfs. neue Wikingerkarten in die Auslage, neue Wegkarten ins Wegkartendeck. Die Spieler ziehen neue Handkarten und los geht es mit dem neuen Abenteuer. Zum Schluss gibt es Münzen für alle Karten, die man nicht nach Walhalla geschickt hat; dann es gibt Punkte für die Karten, die man im letzten Abenteuer genutzt hat. Wer dann die meisten Punkte hat, der gewinnt das Spiel.

Auf den ersten Blick erinnerte mich das Spiel ganz stark an das erste „Herr der Ringe“-Spiel von Kosmos. Das war ein kooperatives Spiel und der Spielplan zeigte auch einen einfachen Pfad, über den man wandern musste. Dort ging es aber um gemeinsames Kartenmanagement, hier geht es eher um Deckbuilding… sagen wir mal: Deckbuilding der einfacheren Art. Man kauft sich halt Wikinger für die kommenden Abenteuer und baut Abenteuer für Abenteuer sein zweites Deck für das letzte Abenteuer auf… und das ist eigentlich auch das interessante Element des Spiels. Die Abenteuerkarten zeigen immer eine kurze Story, die man idealerweise natürlich vor der Runde laut vorliest, damit man etwas mehr in Stimmung kommt… und das sollte man auch dringend machen, denn das Spiel selbst, also die Mechanik, wirkt sehr abstrakt. Das Thema wird im wesentlichen über die Abenteuerkarten transportiert… also Vorlesen ist hier Pflicht. Dreht man dann aber die Abenteuerkarte um, bleibt von dem Storygefühl nicht mehr viel übrig. Bricht man das ganze Drumherum mal auf die Essenz herunter, dann ist es halt so: man hat eine begrenzte Anzahl an Handkarten mit Schrittmöglichkeiten (kurz, weit, rückwärts) und versucht genau mit diesen Karten auf ideale Weise die Abenteuerkarte zu erreichen… unterwegs und bei der Abenteuerkarte versucht man dann möglichst viele Bonis mitzunehmen. Dazu baut man sein Deck etwas aus und bereitet sich auf das letzte Abenteuer vor, durch Ablegen von Karten unter dem Schild… *zack* das war’s…. und genau so läuft eigentlich jedes der Abenteuer ab. Der Wechsel zwischen Pfad und Schiff bringt nur geringfügig Abwechslung mit rein.

Für das was unterm Strich übrig bleibt, ist mir das Ganze zu aufwändig. Das ganze Handling mit den Wegkarten, den bereitgelegten Abenteuerkarten, den Wegmarken, etc… all das wirkt nicht besonders elegant, obwohl es letztlich doch sehr einfach ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es als „gehobenes“ Familienspiel gut funktionieren kann. Wikinger-Fans werden bestimmt ihren Spaß damit haben… uns hat das Spiel aber leider nicht überzeugt.

Fazit: optische ganz nett, spielerisch durchwachsen, Storybezug sehr aufgesetzt, Gesamtablauf sehr glückslastig.

 

(c)2020 Dirk Trefzger

Material

Regeln

Idee

Spielreiz

Wir danken Schmidt Spiele für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

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